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Gabriele Gramelsberger: Save the Code! Wie lässt sich historische Software erforschen? – Ein Werkstattbericht

Die Entwicklung und Einführung von Computern und Software hat „die Wissenschaft in allen Phasen ihres wissenschaftlichen Prozesses transformiert – von der Festlegung der Forschungsagenda und der Durchführung von Experimenten bis hin zur Kommunikation und Bewertung von Forschungsergebnissen“ (OECD 2020). Die Digitalisierung hat nicht nur die Prozesse und Praktiken des Forschens transformiert, sondern gänzlich neue Erkenntnismöglichkeiten wie Computersimulationen und maschinelles Lernen geschaffen.

Die Grundlage dieser Entwicklung der Digitalen Wissenschaft ist neben der Hardware, die Software. Software stellt nach über achttausend Jahren Schriftentwicklung einen neuen Schrifttyp dar, der nicht nur beschreibende, sondern auch selbst-ausführende (autooperative) Funktionen aufweist und die Grundlage moderner Automatisierung ist – von der Lochkartenprogrammierung des Jacquardwebstuhls bis zur heutigen KI. Während die Hardware jedoch seit längerem Thema historischer Forschungen wie auch von Sammlungstätigkeiten ist, ist die wissenschaftliche Softwareentwicklung bislang selten Thema der historischen Forschung wie auch der Sammlungstätigkeit. Im Unterschied zu anderen kulturellen Zeitdokumenten wie Tontafeln, Manuskripten oder Bücher handelt es sich bei Software um fragile Zeitdokumente, die den besonderen Schutz der aktiven Sicherung des kulturellen Erbes bedürfen. Wie dieses Erbe gesammelt, archiviert und editiert werden kann ist Thema des Vortrags. Am Beispiel des kürzlich bewilligten Akademien-Langzeitvorhaben „Edition wissenschaftliche Software“ (2026 – 2046, edition-software.net) wird über die geplante systematische Erschließung des noch bestehenden Bestandes wissenschaftlicher Software (1950 bis 2010) wie die Entwicklung von Archivierungsstandards für historische Software berichtet. Mittelfristiges Ziel ist die Eröffnung einer neuen zeithistorischen wie philosophischen Forschungslinie zur Softwaregeschichte der Digitalen Wissenschaft.

Gabriele Gramelsberger hat den Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie an der RWTH Aachen inne. Ihr Forschungsthema ist die Digitalisierung der Wissenschaft. Sie ist Direktorin des Käte Hamburger Kollegs „Kulturen des Forschens“ sowie Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Seit 2026 ist sie gemeinsam mit Carsten Reinhardt (Bielefeld), Helmuth Trischler und Ulf Hashagen (beide Deutsches Museum München) für das Akademien-Langzeitvorhaben „Edition wissenschaftliche Software“ verantwortlich (2026 bis 2046), das sich der Sammlung, Archivierung und Edition historischer, wissenschaftlicher Software widmet.

Vortrag im Rahmen des „Digital History“-Forschungskolloquiums
Zeit: Mittwoch, 20. Mai 2026, 16-18 Uhr
Ort (hybrid):
– Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10117 Berlin, Raum 3071 (um eine kurze Anmeldung via E-Mail wird gebeten)
– Zoom-Konferenz (Zugang auf Anfrage oder via Mailingliste)

Digital History Berlin (Redaktion)
Digital History Berlin (Redaktion)

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Digital History Berlin (Redaktion) (14. Mai 2026). Gabriele Gramelsberger: Save the Code! Wie lässt sich historische Software erforschen? – Ein Werkstattbericht. Digital History Berlin. Abgerufen am 13. September 2026 von https://doi.org/10.58079/167vk


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